Bei einem tollen Roman ist alles aus einem Guss

Als Lektor wäge ich ständig ab, was wichtig ist und was nicht. Was aber überhaupt wichtig sein kann, hängt sehr stark vom Kontext ab, den die AutorInnen selbst beim Schreiben eröffnen. Wenn man das von Anfang an berücksichtigt, und alle Puzzleteile ineinandergreifen, kommt am Ende ein erzählstarker Roman heraus.

  

Interaktion von Themen und Figuren

Überlegen Sie von Anfang an, wie die Themen, die Sie behandeln wollen, ineinandergreifen könnten, wie sie miteinander interagieren könnten, welche Spannungsfelder sich ergeben könnten. Wenn alles zusammenhängt, dann rüttelt jede Erschütterung am ganzen System. Das heißt, Handlungen von Figuren haben große (und damit spannende) Auswirkungen.

 

Überlegen Sie auch, welche Handlungsräume Ihre Figuren überhaupt besitzen (sollten), um mit den relevanten Themen interagieren zu können. Aktive, dynamische Figuren sind meistens fesselnder als passive. Dafür brauchen sie aber auch entsprechende Möglichkeiten.

 

Ein gutes Konzept ist leichter niederzuschreiben

Je mehr die einzelnen Elemente des Romanes einander ergänzen, desto wirksamer wird eine Geschichte nicht nur, sondern sehr oft ist der Roman dann auch einfacher zu schreiben. Wenn sich thematische Spannungsfelder, Figurenmotivationen und -handlungsmöglichkeiten gut ergänzen, ergeben sich spannende Inhalte organisch, und müssen nicht mühevoll „herbei geschrieben“ werden. Das heißt auch: Man benötigt weniger Erklärtext – und wer mich kennt, weiß, dass ich Erklärungen in Romanen gerne vermeide.

 

Puzzleteile
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Drei Elemente eines Romanes, einer Erzählung, in Einklang bringen

Man könnte sich diesen Zugang simpel als Dreieck vorstellen. Ein Spannungsfeld zwischen der erzählten Welt, den Figuren und dem Plot:

 

- Die erzählte Welt

Die erste Seite ist eine erzählte Welt selbst, die gewisse Themen mitbringt. Diese Themen können alles sein, worüber man schreiben kann. Es könnte eine Welt sein, in der die Superreichen die Welt zerstören, es könnte ein Traumstrand sein, ein Bürogebäude, ein fiktiver Planet, ein streng geheimer Militärkomplex. Die Erzählwelt betrachtet man oft als etwas Gegebenes – aber im Roman kann man alles als Erzählmittel einsetzen. Wenn ein Thema Ihre Figur umtreibt, dann machen Sie dieses Thema auch zu einem Thema der erzählten Welt. So schaffen Sie auch unterschiedliche Perspektiven auf Dinge, die dem Roman wichtig sind.

 

- Die Figuren

Die zweite Seite sind die Figuren, die in dieser Welt leben. Die Themen, welche die erzählte Welt bewegen, sind verbunden mit den Themen, mit denen unsere Figuren aktiv interagieren. Figuren am Brennpunkt sind oft die spannenderen. Positionieren Sie Ihre Figuren deshalb so, dass sie sich gut zeigen und profilieren können. Dafür zentral sind die Figurenmotivationen und die konkreten Handlungen der Figuren. Es gibt eine konkrete Ausgangsposition mit Wertesystem etc., und Figurenmotivationen, die darauf aufbauend in der Interaktion mit der erzählten Welt entstehen. Diese können eine ursprüngliche Motivation auch abändern; oft ist gerade das das Spannende.

  

- Der Plot/die Handlung

Daraus ergibt sich als dritte Seite der Plot, die relevanten, konkreten Handlungen der Figuren, die eine Veränderung in der erzählten Welt bewirken und im Ablauf vom Beginn bis zum Ende einer Erzählung führen. Die Handlungen ergeben sich aus der Figurenmotivation, dem Erleben der Figur in ihrer Interaktion mit der erzählten Welt und den Themen ebendieser erzählten Welt. Die konkreten Handlungen der Figuren sind die Eckpunkte des Plots. 

 

Künstlerischer Ausdruck und erzählstarke, spannende Romane

Wie gesagt: Eine vereinfachende Darstellung, aber sie macht sehr offensichtlich, wie Themen strukturell zusammenhängen können, wie ein künstlerischer Ausdruck sich durch mehrere Ebenen einer Erzählung hin manifestiert.

 

Wenn alle Ebenen zusammenhängen, ergibt sich am Ende ein rundes Ganzes. Schreiben Sie keine Erzählwelt, die keine Auswirkungen hat, schaffen Sie keine Figurenmotivationen, die nicht in Handlungen gerinnen, vermeiden Sie Handlungen, die den Plot nicht weiterbringen.

 

Nutzen Sie stattdessen jede Möglichkeit, um Ihren Punkt zu machen, um das erlebbar zu machen, was Ihnen wichtig ist. Ein Erzählelement, das dazu nichts beiträgt, ist unnötiger Ballast. Dabei kann es auch helfen, Textpassagen aus funktionaler Sicht zu betrachten

 

Ein Lektor ist eine gute Unterstützung für solche Themen

Erzählen ist ein Balanceakt. Lesen braucht Zeit – honorieren Sie den Einsatz der Lesenden, indem Sie ihnen knackige, spannende Geschichten erzählen und ein tolles Lese-Erlebnis bieten. Manchmal kann es wirklich helfen, sich zwischendurch ideelle Lesende vorzustellen, denen Sie eine echte Geschichte erzählen.

 

Und natürlich: Sollten Sie einen Lektor suchen, der Sie dabei unterstützt, Ihren Roman richtig rund zu machen, oder einfach nur einen professionellen Probeleser – eventuell sind Sie hier bereits richtig. An spannenden Romanprojekten bin ich immer interessiert. Ich freue mich, wenn Sie sich melden.

  


Dreieckiger Ausblick auf Natur
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